Fragen
![]() | Wieso bezieht sich CooL nur auf das Christentum? |
Weil wir nicht mehr versprechen wollen, als wir halten können.
Die Frauen, die sich bei CooL engagieren, haben alle einen christlichen Hintergrund, auch wenn sie heute unterschiedlich stark an ihre Kirche gebunden sind - von überzeugten Kirchenmitgliedern und kirchlichen Angestellten bis zu Konfessionslosen ist fast jede Schattierung vertreten.
CooL steht zwar allen Frauen unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung offen, es wäre aber vermessen und deplaziert, wenn wir uns als Expertinnen zu Lesbischsein in Bezug auf irgend eine andere Religion als das Christentum ausgeben würden.
![]() | Warum wollen sich lesbische Paare kirchlich segnen lassen? |
Aus den selben Gründen, aus denen sich ein heterosexuelles Paar trauen lassen will.
Auch lesbische Paare, welche sich für Gott, den Glauben und die Kirche interessieren, möchten den Segen von Gott und der Kirche für ihre Beziehung.
![]() | In welchen Kirchen sind Segnungsgottesdienste für lesbische Paare möglich? |
Grundsätzlich in den meisten evangelisch-reformierten Kantonalkirchen der Deutschschweiz, die kirchenrechtlichen Bestimmungen und Bezeichnungen sind allerdings sehr unterschiedlich. Paare, die sich für eine solche Feier interessieren, wenden sich am besten an eine Pfarrerin oder einen Pfarrer in ihrer Kirchgemeinde, wo sie zum mindesten genauere Auskünfte erhalten.
Die Plattform Religion (der Zusammenschluss aller religiöser schwullesbischen organisationen der Schweiz) hat eine Liste von PfarrerInnen und Kirchgemeinden zusammengestellt, die Segnungsfeiern unterstützen.
Diese Liste kann beim PinkCross Büro in Bern bezogen werden.
Seit 2004 führt als einzige römisch-katholische Kirche, die römisch -katholische Kirche Basel-Land Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare durch.
Die übrigen römisch-katholischen Kantonalkirchen,die in den in der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) zusammengeschlossen Freikirchen, die orthodoxen Kirchen und die reformierten Kantonalkirchen der Romandie (ausser Fribourg) lehnen solche Feiern grundsätzlich ab,; entsprechend der negativen Bewertung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, die diese Kirchen in der Regel vertreten.
Alle Kirchen werden in Ihrer Einschätzung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen auch durch ihren jeweiligen internationalen Kontext beeinflusst. Besonders deutlich ist das bei der römisch-katholischen, aber auch bei Kirchen wie der Evangelisch-Methodistischen oder der Anglikanischen, die in anderen Ländern eine deutlich grössere Bedeutung haben als in der Schweiz. Zur Zeit sind in den genannten Konfessionen Paarsegnungen nicht möglich.
![]() | Was geschieht mit Lesben in kirchlichen Aemtern? |
Das hängt davon ab, in welcher Kirche sie sich engagieren.
In den evangelisch-reformierten Kirchen der Deutschschweiz stehen entsprechend qualifizierten lesbischen Frauen grundsätzlich alle Betätigungsfelder offen. Bei Bewerbungen beziehungsweise Kandidaturen ist die lesbische Lebensweise allerdings oft ein Handicap, besonders bei Aufgaben, die stark im Blick der Öffentlichkeit stehen und mit bestimmten Rollenerwartungen verbunden sind (Gemeindepfarrerin, Kirchenpflegerin bzw. Kirchgemeinderätin, Katechetin, Diakonische Mitarbeiterin). Bis jetzt berücksichtigt nur die ev.-ref. Landeskirche des Kantons Aargau PartnerInnen von homosexuellen kirchlichen Angestellten bei den Rentenbestimmungen der Pensionskasse.
In der römisch-katholischen Kirche, in den orthodoxen Kirchen und in gewissen evangelischen Freikirchen sind Frauen generell von gewissen Aemtern (besonders dem Priesteramt) ausgeschlossen. Diejenigen Aemter, die Frauen offenstehen, sind mit einer öffentlichen, selbstbewussten lesbischen Identität, die in Gegensatz zu den offiziellen Verlautbarungen steht, oder mit einer öffentlich bekannten gleichgeschlechtlichen Beziehung, nicht vereinbar. Kirchliche Mitarbeiterinnen, deren Lesbischsein bekannt wird, müssen in der Regel mit Sanktionen rechnen. Letzteres gilt auch für jene evangelischen Freikirchen, in denen Frauen alle Ämter übernehmen können. Art und Ausmass der Reaktionen können allerdings sehr unterschiedlich sein und hängen von der jeweiligen Kirche und ihren Überzeugungen und Strukturen, von der konkreten Kirchgemeinde und von der Position der betreffenden Frau ab.
In der christkatholischen Kirche stand in den 90-er Jahren die Diskussion um die Frauenordination und die Weihe der ersten Priesterin im Vordergrund. Homosexualität ist in der christkatholischen Kirche kein Hindernisgrund für die Ausübung des Priesteramtes.
![]() | Wo gibt es Gottesdienste speziell für Lesben und Schwule? |
Unseres Wissens bisher nur in Basel (Elisabethenkirche [link zu www.offenekirche.ch/LSBK]) und Zürich (Helferei). Die Gottesdienste sind öffentlich und finden jeweils einmal im Monat am späten Sonntagnachmittag statt. Sie werden von wechselnden Kleingruppen vorbereitet.
![]() | Was sagt die Bibel zu Homosexualität? |
Nichts - aber das glauben nicht alle.
Gewisse Bibelstellen werden von Menschen, die gleichgeschlechtlichen Beziehungen ablehnend gegenüberstehen, in Gesprächen zu Homosexualität und Glaube immer wieder zitiert.Andere werden als positive Beispiele vorgebracht.
Einige grundsätzliche Überlegungen:
br> Jede Person, die sich auf die biblischen Texte beziehen will, muss den gleichen Massstab für alle Texte anwenden. Wem als Begründung für ein Gebot ausreicht, dass etwas in der Bibel steht, muss sich an jedes Wort halten. Wer eine andere Interpretationsmethode verwendet, muss diese auch auf die ganze Bibel anwenden können.
Es lohnt sich, die Logik einer Argumentation im Zusammenhang zu überdenken.
Gewisse Leute schliessen aus dem Bericht, Gott habe Mann und Frau geschaffen, damit die heterosexuelle Ehe legitimiert sei. Dass das Eheverständnis, das uns aus den biblischen Texten entgegenkommt, sich markant von unseren heutigen Vorstellungen unterscheidet, ist dabei irrelevant. (Gen.24; Gen.29, 15-30; Eph.5,22-24)
Die in Zusammenhang mit ablehnenden Voten zitierten Bibeltexte reden immer nur von einzelnen sexuellen Akten, nicht von Beziehungen und sie stellen die Wahl des Partners/ der Partnerin als eine freie Willensentscheidung dar. Heute wissen wir, dass es Menschen gibt, die sich vorwiegend bis ausschliesslich vom eigenen Geschlecht angezogen fühlen.
Die biblischen Texte reden auch von inniger Zuneigung zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts. David und Jonathan waren beide verheiratet, aber sie standen sich auch gegenseitig sehr nahe (1. Sam 18; 1. Sam 20; 2. Sam 1). Ihre Beziehung wird mit Worten beschrieben, die der Sprache des Hoheliedes erstaunlich nahe stehen.
Dass Ruth wieder geheiratet hat, ist kein Grund, ihre Beziehung zu Naomi gering zu schätzen. Eine kinderlose Witwe war damals in einer allzu prekären Situation, als dass sie lange hätte ledig bleiben können. Die Worte, die sie zu Naomi spricht, haben unzählige Ehepaare als Trauspruch gewählt: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen.(Ruth1,16).
Und weshalb Judith nie mehr heiratete, dafür aber ihrer Dienerin, ohne die sie ihren Plan nie hätte durchziehen können, die Freiheit schenkte, wer weiss? (Jdt 16,21-25)
![]() | Die vielzitierten Bibelstellen: |
Levitikus (3. Mose) 18,22 und 20,33
Wer Kapitel 17-20 im Zusammenhang liest, merkt, wie uns da völlig fremde Vorschriften und solche, die auch heute noch Sinn machen bunt durcheinander begegnen.
Auch der frömmste Metzger wird die Blutwürste nicht aus dem Sortiment nehmen(17,10) und eine Bäuerin im biologischen Landbau wird trotz 19,19 nicht auf Monokulturen umstellen.
Genesis (1. Mose) 19 (vgl. Richter 19)
Hier geht es um Vergewaltigung und den Bruch des Gastrechts. (Vgl. auch Ezechiel16,49)
Alle Stellen im Neuen Testament stammen aus Briefen, die Paulus zugeschrieben werden. Paulus hatte sich als junger Mann intensiv mit der jüdischen Gesetzgebung beschäftigt. In der griechischen Welt in der er lebte, gab es Sex zwischen Männern bzw. Männern und männlichen Jugendlichen. Aber gerade in der stoischen Philosophie, deren Etik Paulus kannte, wurden diese Praktiken kritisiert. In gewissen Bereichen war Paulus ein sehr innovativer Theologe. Was aber Geschlechterrollen betrifft, war er konservativ (vgl. 1. Kor.11,2-16) und sexuelle Beziehungen schätzte er gering (1. Kor. 7.1-9).
Römerbrief 1,26-27
Am Anfang des Römerbriefs argumentiert Paulus, dass die Menschen statt dem Schöpfer die Geschöpfe anbeteten und dass deswegen die ganze Welt auf dem Kopf stünde. Eines aus einer ganzen Liste von Symptomen sind bestimmte sexuelle Praktiken (übrigens die einzige Stelle, in der möglicherweise auch von Sex zwischen Frauen gesprochen wird).
1. Korinther 6,9 und 1. Timotheus 1,10
Unter anderem werden "Solche, die sich zu Männlichem legen" genannt. Die Lasterkataloge sind stoischen Aufzählungen auffallend ähnlich. Vermutlich wurden hier einfach vorhandene Vorlagen übernommen, ohne lang über die einzelnen Anschuldigungen nachzudenken.
Die negative Einschätzung lässt sich niccht wegdiskutieren, aber wer sich darauf berufen will, sollte andere Aussagen von Paulus genauso wörtlich nehmen.
